Die Herberge von San Vincent de Baquera habe ich bereits um 7:20 Uhr verlassen. Mein Plan war es, bis Colimbres zu gehen und dann die 2. Haelfte der langen Etappe mit dem Zug oder dem Bus zurueckzulegen. Vielleicht wuerde ich damit ein wenig Abstand zu meinen Herbergskollegen des letzten Abends gewinnen. Zumindest von dem Frauenchor wusste ich dass sie sicher in Colimbres uebernachten wollten.

Es ging erst einmal zackig nach unten und dann die selbe Hoehendifferenz wieder nach oben. Warum  man das hier in Nordspanien nicht einfacher haben kann… ich weiss es nicht. Der Himmel war – positiv betrachtet – bedeckt. Die Biciclistas hatten ueber ihre Radkeidung schon mal vorsichtshalber Regenjacken ueber gezogen. Ob sie mehr wussten?

Sie wussten mehr, denn als ich ein paar Minuten aus dem Ort raus war begann es ganz leicht zu regnen. Also Rucksack ab, Regenhuelle drueber. Einmal nass, trocknet das Mistding doch sonst nie wieder. Rucksack wieder auf und weiter gehts. Es dauerte nicht lange und auch fuer mich waere ein Regenschutz nuetzlich geworden. Rucksack also wieder ab, Regenjacke an und Rucksack wieder auf. Uebung macht den Meister.

Mit einer penetranten Gleichmaessigkeit wurde der Regen staerker und erstmal war kein Unterstand in Sicht. Der Himmel verdunkelte sich immer mehr und dies war kein falscher Alarm. Auf halber Strecke zur Bahnstation von San Vicente de Baquera war es wie vor ca. einer Woche als ich stundenlang durch stroemenden Regen lief. Das wollte ich mir heute nicht wieder geben und kam auf die gloreiche Idee, erst einmal an der Bahnstation Unterschlupf zu suchen und…… ja ich gebe es zu, ich habe auch damit geliebaeugelt vielleicht bei dem Mistwetter doch mit dem Zug zu fahren.

Dort angekommen war die Enttaeuschung erst mal riesengross. Die Busstation im Ort hatte 8 Bussteige, von dem Bahnhof hier in der Pampa (ca. 1,8 km vom Ort entfernt!) fuhren genau 4 Zuege pro Tag ab. 2 in die Richtung in die ich wollte , 2 Richtung Santander. Der naechste Zug der kam waere einer fuer mich, aber……. es war 8:03 Uhr und der Zug Richtung Llanes wuerde erst um 10:30 Uhr abfahren.

Also doch laufen, aber erst wenn der Regen zumindest stark nachgelassen hat. 8:30 Uhr… noch dunkle Wolken und starker Regen; 9:00 Uhr … keine Besserung und schlimmer noch, auch keine Besserung in Sicht; 9:30 Uhr… die Regenrinnen schaffen die Wassermassen nicht mehr; 10:00 Uhr… es sieht zwar nach wie vor dunkel am Himmel aus aber der Regen wird ein wenig schwaecher.

Mittlerweile sitze ich schon knapp 2 Stunden auf einer Bank hinter einem stillgelegten Bahnhofsgebaeude. Was tun wenn der Regen jetzt aufhoert? Den urspruenglichen Plan mit dem Zug ab Colimbres nach Llanes weiter zu fahren kann ich jetzt sowieso vergessen, denn ich weiss jetzt auch an Hand des Fahrplanes, dann auch ab Colimbres nur 2 Zuege pro Tag nach Llanes fahren.

Gluecklicherweise nimmt mir Petrus die Entscheidung sowieso ab und oeffnet mal wieder mit einem Ruck die Schleusen. Kurz vor halb 11 kommen tatsaechlich noch 2 weitere Reisende und schauen mich einigermassen mitleidsvoll an. Hat es sich im Ort schon rumgesprochen, dass da draussen einer seit 2 1/2 Stunden am Bahnhof gestrandet ist? Sei es drum, der Zug faehrt ein und ich steige ein. Ziel Llanes.

Wie richtig die Entscheidung war erkenne ich im Laufe der 40-minuetigen Zugfahrt immer mehr. Es schuettet wie aus Eimern. Wie schnell 40 Minuten vergehen wenn an eigentlich hofft, noch laenger im Zug sitzen zu koennen ist schon sensationell. Naja, immerhin hatte der Bahnhof von Llanes einen Warteraum, aber den ignorierte ich und bei Ankunft war es auch nur noch “normaler” Regen.

In der Jugendherberge angekommen ging es erst einmal daran Bestandsaufnahme zu machen. Ein wenig Obst, Kaese, Brot, Getraenke; einkaufen war angesagt. Gluecklicherweise war ein Supermarkt nur wenige Minuten entfernt, denn der Himmel verdunkelte sich schon wieder verdaechtig. Was soll ich sagen… es hat gerade noch so gereicht vor dem naechsten Guss und irgendwie hat es ja auch was wenn es draussen stuermt und man im Trockenen sitzt.

Morgen soll die Regenwahrscheinlichkeit bei “nur” 50% liegen. Ich bin gespannt.

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2 Kommentare zu „Gestrandet“

  • glowi sagt:

    Gestrandet oder verschollen?

    Oli, mache mir langsam Sorgen, 6 Tage und kein Bericht. Lass mal von dir hören, pfingstliche Grüße, glowi

  • Lexi sagt:

    Mensch Oli sagtest Du nicht vor Deiner Abreise irgendwas von durchschnittlich 10 Regentagen auf den gesamten Zeitraum?! Ich habe das Gefühl es sind bei Dir schon 20 :-) !!!
    Halte weiter durch, ich bin stolz auf Dich.

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